Neulich, es kann auch schon etwas her sein, habe ich gelesen, wie toll unsere Regierung es findet, dass so viele Mütter berufstätig sind. Gleichberechtigung hat also voll funktioniert. Jetzt ist es nicht mehr nur am Mann, die Brötchen nach Hause zu bringen, nein, die Frau trägt dazu bei.
Hört sich ganz schön an. Ich selbst bin eine berufstätige, selbstständige Frau und schätze es, arbeiten zu gehen. Wer möchte schon den ganzen Tag zu Hause sein, den Haushalt schmeißen und mit dem warmen Abendessen auf den Mann warten, bis er von der Arbeit kommt?
Das ist nicht mehr unsere Vorstellung von einer modernen Frau. Man wird ja gerne und oft gefragt, was man beruflich macht. Stünde man in der Verlegenheit sagen zu müssen, man sei Hausfrau, hat man schnell das Gefühl, man müsse seinen Umstand verteidigen, bevor die Frage kommt: „Harzt IV, oder?“
Aber die meisten Frauen und Mütter gehen heute ja arbeiten, wie es die Regierung zufrieden mitgeteilt hat. Nun, wie erwähnt bin ich auch berufstätig. Aber ich bin keine Mutter. Noch nicht. Aber wir planen dies in naher Zukunft. Vier Kinder sollen es werden. Wir lieben Kinder und sehen sie als unser höchstes Gut an. Etwas ungewöhnlich in der heutigen Zeit. Viele reagieren mit Nasenrümpfen darauf… vieeeer Kinder?
Ja, vier Kinder! Ich habe mich nicht vertippt.
Das mag gut geplant sein. Vor allem finanziell. Einmal abgesehen davon, dass ich selbstständig bin und das ein zusätzliches Problem darstellt, fragt man sich als Frau und zukünftige Mutter auf einmal: wie werde ich es machen?
Ich werde arbeiten – ganz klar! Oder…? Aber wenn nicht, dann wäre ich doch nur eine H a u s f r a u… und dafür habe ich studiert? Dafür habe ich zwei Berufe gelernt? Dafür habe ich meinen beruflichen Lebenslauf aufgebaut um H a u s f r a u zu werden?
Aber ich will Mutter sein. Mutter von vier Kindern. Ich liebe die Vorstellung einer großen Familie, ihnen sprechen, laufen und Manieren bei zu bringen. Mich um die Pausenbrote der Kids zu kümmern, ihnen bei den Schularbeiten zu helfen oder die erste Diskussion zu führen, wie lange sie Samstagabend nun weg dürfen… Einfach toll. Bei diesen Gedanken geht mir das Herz auf. Meine Gedanken gehen sogar hoch, bis in meine Rolle als Oma.
Wie machen es denn die berufstätigen Mütter heute? Ich habe mich mal umgehört und bin da auf etwas Ernüchterndes gestoßen. Natürlichen kommen die Kinder in den Hort oder mit zwei Jahren in den Kindergarten. Wenn sie noch nicht sauber sind, kostet es den doppelten Platz. Wenn ich mir das so vorstelle, ich arbeite den ganzen Tag, meine Kids sind im Hort und kommen am Abend, wie ich und mein Mann nach Hause. Es gibt noch gemeinsam Abendbrot, der Gang ins Bad, noch eine Geschichte und dann ab ins Bett. Die ganze Woche. Monat für Monat. Jahr für Jahr… bis hin zur Ganztagsschule.
Aber wofür habe ich dann Kinder? Dass eine Kindergärtnerin, eine ZIVI und eine 19jährige Praktikantin mein Kind erzieht? Dass es wahrscheinlich mehr Emotionen, mehr Vertrauen und eine stärkere Bindung zur Erzieherin hat, als zu seiner eigenen Mutter? Ist mir das mein Job wert? Soll so Familie aussehen?
Na gut, als Mutter kann man ja auch nur Halbtags arbeiten. Aber in welchem Job? Wenn es Probleme gibt, das Kind von der Schule oder Hort abgeholt werden muss, was dann? Und es gibt viele Gründe, warum das Kind abgeholt werden muss, Bauchweh… Zahnschmerzen… Durchfall… der Unterricht fällt aus… wer holt es ab? Wer kümmert sich um das Kind?
Und was ist, wenn das gleich am Morgen passiert?
Kein Problem, sagt der Staat, dafür stehen Dir eine bestimmte Anzahl an Krankheitstagen für das Kind im Jahr zur Verfügung. Na hoffentlich reichts! Wir wissen ja, wie es mit solchen Regeln ist. In einem Jahr ist nichts und im anderen kommts vielleicht ganz dicke.
Aber wenn es nun mitten am Vormittag passiert, was macht dann eine berufstätige Frau die einen verantwortungsvollen Job hat? Nicht jeder kann seinen Arbeitsplatz ohne Ersatz einfach verlassen. Ob es die Krankenschwester ist, die Friseurin, die Anwältin oder die ob es die Erzieherin selbst ist? Da kann man nicht einfach sagen: „Entschuldigen Sie, mein Kind ist krank, sie müssen die Gerichtsverhandlung verschieben…“ „Ich kann bei der OP nicht weiterhelfen, ich muss weg…“ „Liebe Chefin, sagen Sie alle meine Friseurtermine ab, mein Kind ist krank“ „Kinder wir müssen den Ausflug abbrechen und nach Hause zurück, ich muss zu meinem Kind…“
Das ist auch vielen Arbeitgebern bewusst. Als Mutter eine Arbeit, in ihrem gelernten Beruf, zu bekommen ist nicht immer einfach und als Halbtagskraft manchmal sogar unmöglich. Was arbeiten also die vielen gleichberechtigten modernen Mütter? Diese Erkenntnis ist zum Teil auch sehr ernüchternd. Hilfsjobs… an der Tankstelle, als Raumkosmetikerin (Putzfrau) als Verkaufshilfe… einfach ein Job, bei dem man weniger Verantwortung trägt. Schöne Aussichten.
Was spricht noch mal dagegen, als Mutter zu Hause zu bleiben, die Kinder zu erziehen und nach dem Rechten im Haus zu schauen?
Ach so, das Geld.
Ist es denn heute noch möglich, eine klassische Familie zu sein? Der Mann geht arbeiten und die Frau kümmert sich liebevoll um die Erziehung ihres gemeinsamen Fleisches und Blutes? Der eine oder andere kann sich das bestimmt leisten. Aber bestimmt nicht jeder. Und schon gar nicht, wenn man sich viele Kinder wünscht, weil man in seinen Kindern das höchste Gut sieht und die schönste Aufgabe, die die Natur uns gegeben hat.
Mir scheint, als ob diese Vorstellung so gar nicht mehr in die moderne Zeit passt. Und die Aufforderung, doch mehr Kinder zu kriegen aber gleichzeitig von der berufstätigen Mutter zu schwärmen, kommt mir geradezu paradox vor. Und meine Erkenntnisse haben mir gezeigt, dass die meisten Mütter nicht arbeiten gehen, weil sie es als ihre Erfüllung empfinden, sondern weil es finanziell notwendig ist. Welche Mutter wäre denn nicht lieber bei ihrem Kind? Und welcher Mutter fällt der Spagat zwischen Verantwortung im Beruf und Verantwortung gegenüber dem Kind leicht? Fällt das nicht schon den meisten Vätern schwer? Aber diese können sich immerhin noch auf ihre Frau verlassen… oder?
Und von der dritten Belastung – wer schmeißt eigentlich den Haushalt und die Wäsche von einer ganzen Familie, will ich jetzt gar nicht mehr weiter sprechen. Darüber lasse ich jetzt Ihre Gedanken selbst schweifen.
Wir gehen in der Zeit immer mehr weg, von der Wichtigkeit der Familie. Vom Zusammenhalt und der Gemeinsamkeit. Kinder wachsen in Horten auf, bei wechselnden Bezugspersonen. Sie verbringen in ihrer Kindheit die Hauptzeit mit fremden Menschen in der Tagesstätte, Kindergarten, Ganztagsschule oder noch schlimmer: am Mittag alleine zu Hause. Und dann wundern wir uns, warum die Kinder weniger den Eltern gehorchen? Warum sie immer weniger Respekt haben?
Für mich liegt es klar auf der Hand. Die Frage ist nur, hab ich eine Wahl zwischen daheim bleiben und die Kinder selber zu erziehen oder einem Ganztags- / Halbtagsjob nachzugehen und die Erziehung anderen zu überlassen? Und wer bestimmt das? Der Lohnzettel meines Mannes.